15 Okt 2009

Wie gehe ich mit rechtsorientierten und rechtsextremen Parolen um? Ein kleiner Leitfaden.

Beispiel: Leute sitzen zusammen und haben einen netten Abend. Ein Gast fängt an sich über die Arbeitsmarktsituation im Land zu beklagen und dass es doch die Ausländer sind, die den Deutschen die Arbeit wegnehmen.

Was tun?

Logik, wirft den/die Parolenschwinger/in oft auf ihr Nicht- bzw. Halbwissen zurück. Daher immer nach der Quelle oder nach Beispielen der „Parolen-Information“ fragen. Die dadurch oft entstehenden Widersprüche bringen einem selbst Siegerpunkte und lassen den/die Parolenschwinger/in im Regen stehen.

Konsequenzen. Dem/der Parolenschwinger/in aufzeigen was passieren würde wenn die (menschenverachtende, demokratiefeindliche) These wirklich umgesetzt werden würde. Wozu führt das? Willst Du das wirklich? “In wie weit würde wäre dein Leben beeinflusst wenn morgen alle sogenannten Ausländer/innen das Land verlassen würden?”

Humor, Witz und Selbstironie entspannt die Atmosphäre und öffnet den Raum für neue Argumente oder Themen. n das Klima und Verbissenheit tut Diskussionen niemals gut. Ein passender Witz, eine Portion Selbstironie können Wunder wirken, um das Klima zu entspannen und alle Gesprächsteilnehmer wieder für Argumente zu öffnen.

Verbündete suchen. Wirkungsvolle Beiträge anderer und gemeinsame Standpunkte aufgreifen. Im nächsten Gesprächsbeitrag noch einmal die Gemeinsamkeiten betonen. So reagiert der/die Andere wohlmöglich den eigenen Argumenten auch zustimmend.

Zustimmung ist erlaubt wenn an Teilen der Aussage „etwas Wahres dran“ ist. Doch sollte nicht zu viel Verständnis geäußert werden. Bitte unbedingt weiterhin Parolen relativieren und verschiedene Denkweisen anregen.

Schön still sein. Mit normaler, ruhiger Stimme zum Erfolg. Sich nicht von lauter werdenden Meinungen mitreißen lassen, im Kampf ums Recht.

Gelassenheit demonstrieren in dem man sich körperlich zurücklehnt und den Anderen anzeigt dass man offen (keine verschränkten Arme) ist.

Vertagung der Diskussion. Wenn man bei Fakten oder Hintergrundinformationen unsicher ist in der Argumentation, dann lieber das Gespräch verschieben und zu einem späteren Zeitpunkt besser vorbereitet in die Diskussion gehen.

Was eher lassen?

Ignoration, führt leider nicht weiter sondern lässt dem/der Parolenschwinger/in Raum sich weiter auszulassen und die fehlende Intervention bestärkt ihn/sie vielleicht in ihrer Meinung und Haltung und motiviert einfach weiterzumachen.

Fakten, helfen nicht immer. Die Gegenargumentation kann der Parole gemäß umgedeutet werden und damit werden einem die „Wort im Mund umgedreht“. Doch sind Fakten nicht aussichtslos. Vor allem persönlich geschilderte Erlebnisse und Geschichten die irritieren und nachdenklich machen können funktionieren.

Verzettelung, entsteht wenn eine Stammtischweisheit nach der Nächsten zugelassen wird. Nicht ablenken lassen, sondern Parolenschwinger/in auffordern eine These klar zu diskutieren.

Moral, ist wenig gewinnbringend, denn das Oberlehrertum kommt bei niemandem gut an. Es erzeugt höchstens Abwehrhaltung und schafft damit keine Atmosphäre zum Diskutieren.

Wortführer, Hier heißt es dem Reiz zu wiederstehen auf ihn/sie zu reagieren. Lieber die Schweigenden nach ihrer Meinung befragen und so eventuell Verbündete auftun.

Hinweisliteratur

Auf der Internetseite der Friedrich-Ebert-Stiftung stehen Auszüge aus dem Buch “In Auschwitz wurde niemand vergast. 60 rechtsradikale Lügen und wie man sie wiederlegt.” von Matthias Tiedemann (Verlag an der Ruhr, 1996). U.a. revisionistische Lügen wie “Hitler wusste nichts vom Holocaust”, “Die deutsche Wehrmacht führte einen ehrenvollen Kampf und ist klar von den durch Partei und SS begangenen Verbrechen zu trennen.”, “Die angeblichen medizinischen Versuche an Menschen in den KZs sind reine Gräuelmärchen.”

Wer sich ausführlicher mit dem Thema Holocaust-Leugner auseinandersetzen möchte, kann dies auf der Internetseite “Holocaust-Referenz” tun. Sehr umfassende Auflistung der Lügen, die Holocaust-Leugner verbreiten, und die passenden Gegenargumente dazu. Ausführliche Linkliste zu weiteren Onlineangeboten, die Informationen zum Thema bieten.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht: Die niederländische Seite “The Mad Revisionist(in englischer Sprache) überträgt Argumente und Argumentationsstrategien von Revisionisten auf Themengebiete, die uns bisher ganz real vorkamen. Sie beweist: Der Mond ist nur ein Propaganda-Schwindel.

Quelle: © Text: mut-gegen-rechte-gewalt.de

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in: Rechtsextremismus von Sebastian