06 Nov 2011

Störungsmelder

Wir müssen reden. Über Nazis.                                                                                                                                                                             Keine Gnade für Kinderschänder“ – so lautet der Titel einer gut getarnten Facebook-Seite, mit der Rechtsextremisten versuchen ihre menschenverachtenden Ideologien salonfähig zu machen. Alarmierend ist dabei der überraschende Erfolg der Seite. Über soziale Netzwerke versuchen die Neonazis in der Mitte der Gesellschaft Fuß zu fassen.

Unscheinbar…

Wenn man die Facebook-Seite „Keine Gnade für Kinderschänder“ das erste Mal anklickt, dürfte sie die meisten kaum misstrauisch werden lassen. Dafür ist ihre Aufmachung viel zu harmlos. So zeigt das Profilbild des Webauftritts ein junges Mädchen, das auf einer grünen Wiese steht und mit einem Löwenzahn spielt; dazu steht rechts im Bild in blauen Lettern die Forderung „Kinder brauchen eine Lobby. Damit ihre Träume in Erfüllung gehen“. Das wirkt unauffällig und auf den ersten Blick nicht rechtsextrem.

Es kommt hinzu, dass viele Links auch auf Internetseiten von angesehenen Medien führen. Denn neben einschlägig bekannten rechtsextremen Internetseiten oder Blogs werden auch die Websites von „Spiegel Online“ oder dem „Hamburger Abendblatt“ regelmäßig verlinkt. Das alles trägt zum seriösen Image der Facebook-Seite bei und verleitet viele schnell dazu, auf den „Gefällt-Mir-Button“ zu klicken, denn nicht nur Rechtsextremisten sind der Auffassung, dass Sexualstraftäter, die sich an Kindern vergehen, zu lasch bestraft werden, sondern auch gewöhnliche Bürger.

Genauso erklärt sich auch die für eine rechtsextreme Seite beeindruckend hohe Zahl an Unterstützern. Insgesamt scheint der Auftritt mehr als 35 000 Nutzern zu gefallen (stand August 2011). Das ist bislang für eine rechtsextreme Facebookseite einmalig. Die Facebookseite der NPD hat nur rund 9000 Unterstützer.

…und rechtsextrem

Betrachtet man die Seite allerdings etwas genauer, wird klar, was dahintersteckt. Die unbekannten Initiatoren werben beispielsweise offen für die NPD. Unauffällig wird ein NPD Kinderfest mit den Worten „Das nenn ich kinderfreundliche Politik, daran sollten dich die anderen mal ein Beispiel nehmen. Traurig, dass die etablierten Parteien sich selbst ins Aus schießen…“ angepriesen oder die „kinderfreundliche Politik“ der Neonazis hervorgehoben. Dass führt dann mitunter schon einmal dazu, dass die Seiteninhaber ihre Fans dazu aufrufen, den NPD-Mann Frank Franz mit einem Klick auf „Gefällt-Mir“ bei seiner Seite zu unterstützen, damit, so die Initiatoren, „unsere Kinder bald wieder sicher auf den Spielplätzen spielen können“.

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http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2011/08/25/%e2%80%9ekeine-gnade-fur-kinderschander%e2%80%9c-rechtsextreme-propaganda-auf-facebook_7030#more-7030

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in: Allgemein, Rechtsextremismus von Sebastian